Im Rahmen des interkulturellen Bildungsprogramms Erasmus+ haben zwei AFS-Kolleg*innen eine Fortbildung zum Thema: "Mindfulness" in Sevilla besucht.

Hintergrund der Aktion ist das Bestreben der LVR-Anna-Freud-Schule, ihre Mitarbeiter*innen unter interkulturellem Aspekt fortzubilden, strategische Schulpartnerschaften zu unterhalten, sich über bewährte Verfahren auszutauschen und innovative Ideen zu unterstützen. Wie dies konkret aussehen kann, verrät der folgende Erfahrungsbericht.


 

Erfahrungsbericht zum Erasmus+ -Programm

Sevilla, Spanien: "Mindfulness", 25.03.2019 - 29.03.2019

Von: Sitah von Berchem und Barbara Heller

 

1. Wie war die Organisation des Kurses?

In der Vorbereitung des Aufenthaltes bekamen wir weitreichende Informationen per Email zu den Inhalten des Kurses, hilfreiche Angaben zum Veranstaltungsort mit Fotos, auch von der Bushaltestelle sowie der entsprechenden Busverbindung vom Hotel aus.
Zu Beginn des Kurses wurden wir von Paqui begrüßt, die sich für die Organisation über Erasmus + verantwortlich zeichnet und uns alle wichtigen Informationen übermittelte. Wir wurden mit Getränken und kleinen Snacks versorgt. Der Veranstaltungsort war gut zu erreichen und es wurde für eine angenehme Atmosphäre gesorgt.
Außerdem wurde für den ersten Tag eine Stadtführung durch die Altstadt organisiert, an der wir zusammen mit zwei anderen Gruppen aus Belgien teilnehmen konnten.

2. Welche Inhalte wurden behandelt?

Geleitet wurde der Kurs von Magdalena Arcia, die Ärztin und Psychotherapeutin ist.
Am ersten Tag führte sie uns theoretisch in das Thema „Achtsamkeit“ ein: das Erleben des Moments mit allen Sinnen ohne Bewertung. Wertfreie Beobachtung und Akzeptanz der Gegenwart ist das zentrale Ziel, welches bewusst eingeübt werden kann. Die Methode ist in den verschiedenen persönlichen und beruflichen Lebensbereichen wirksam, so auch im Bereich der Psychotherapie oder auch in der Wirtschaft. Die Einübung von Achtsamkeit hilft dabei, besser mit Stress und Ängsten umzugehen und diese zu reduzieren. Man lernt Geduld, seine eigenen Grenzen zu akzeptieren und positivere Gedanken zu entwickeln. Tatsächlich ist wissenschaftlich bewiesen, dass Achtsamkeitsübungen helfen, Schmerzen zu lindern und Depressionen zu behandeln.
Ziel des Kurses war es nicht nur, selbst die Methode zu erlernen, sondern auch Möglichkeiten aufzuzeigen, Achtsamkeitsübungen in der Schule anzuwenden. Hier wurden immer wieder hilfreiche Verknüpfungen hergestellt.
Schnell kamen wir zu praktischen Übungen, um die Theorie zu verstehen. Wir lernten, unseren Atem wahrzunehmen und aufkommende Gedanken ohne Bewertung anzunehmen, zu erkennen, aber auch vorüber ziehen zu lassen. Es zeigte sich schwierig, sich nicht von vorüberziehenden Gedanken lenken zu lassen. Daher ist es wichtig, dies zu üben und sich immer wieder bewusst zu machen.
Eine weitere Übung (Still sitzen wie ein Frosch nach Eline Snel), die wir kennen lernten, lässt sich gut mit Schulklassen durchführen. Hierbei geht es darum, sich vorzustellen, still wie ein Frosch zu sitzen und zu beobachten und auch kleine unwillkürliche Bewegungen bewusst zu machen. Hierfür gibt es eine Audio-App bzw. ein Buch zur Anleitung.
Der Body-Scan von Jon Kabat Zinn war die längste Übung am ersten Tag. Im Liegen wird der Fokus auf den eigenen Körper gelenkt, von den Zehen über die Beine bis zum Kopf wird nach und nach jede Stelle bewusst gemacht, sozusagen innerlich abgetastet und die Gedanken und Gefühle sollen wertfrei wahrgenommen werden. Der Body-Scan hilft dabei, die eigene Konzentration zu stärken, sich auf die Gegenwart zu besinnen, ohne in die Vergangenheit oder in die Zukunft zu blicken.

Der zweite Tag startete mit einer kurzen Meditation, um den Fokus auf den Atem und Gedanken zu lenken. Anschließend lernten wir eine Skala kennen, anhand derer man erkennen kann, in welchen Bereichen Achtsamkeit für den einzelnen eine Rolle spielt und wo Stärken und Schwächen liegen. Zum Beispiel sind viele Tätigkeiten automatisiert ohne sich den Ablauf im Einzelnen bewusst zu machen. Daraufhin praktizierten wir eine längere Yoga-Einheit, um einzelne Bewegungsabläufe bewusst zu machen und zu Entspannung zu gelangen. Yoga stellt eine sehr gute Verbindung zum Achtsamkeitstraining dar.
Ergänzend dazu lernten wir zwei weitere Übungen (Safe place und Spaghetti-Test) aus dem Programm von Eilene Snell kennen, die für Kinder und den Unterricht geeignet sind. Hierbei handelt es sich um sprachgeleitete Meditationen, die als Audio-Datei verfügbar sind und im Idealfall zu Stressabbau und Entspannung führen.

Am dritten Tag beschäftigten wir uns mit dem Aufbau des Gehirns und damit, welche Regionen für wichtige Gehirnfunktionen zuständig sind, zum Beispiel das Cerebellum für Nahrungsaufnahme und Überleben (Fluchtverhalten) oder der Cortex u.a. für das Lernen und Empathie. Ebenso wurde deutlich, welche Bedeutung Serotonin, Cortisol und Adrenalin in Bezug auf unsere Gefühle und Körperempfindungen haben. Cortisol wird bei Stress und Ärger vermehrt ausgeschüttet und wirkt sich negativ auf die Gesundheit aus, während Serotonin bei Glücksgefühlen gebildet wird und eine positive Wirkung hat. Erstaunlich ist, dass bei Gehirnscans nachgewiesen werden kann, ob Menschen Achtsamkeitstraining durchführen und somit in einer gesunden Balance leben oder nicht. Vier typische Gefühle wie Angst, Frustration, Freude und Traurigkeit nahmen wir dann genauer unter die Lupe, um deren körperliche Funktionen und typische Reaktionen zu identifizieren und anhand von Beispielen zu benennen. Zwischendurch praktizierten wir eine Yoga-Einheit im Stehen, um Achtsamkeit weiterhin zu üben. Ergänzend dazu stellte uns Maggy einen hilfreichen Plan vor, mit dem man Angst- und Stressauslöser im Alltag besser erkennen und benennen kann.

Am vierten Tag betrachteten wir nach einer kurzen Eingangsmeditation den Stress-Reaktions-Kreislauf.  Dieser zeigt auf, welche körperlichen und psychischen Reaktionen durch externe (körperliche, soziale oder umweltbedingte) oder interne Stressoren (Gedanken, Gefühle oder Schmerzen) ausgelöst werden können. Wenn die Stressoren internalisiert werden, können sie zu chronischen Erkrankungen wie Migräne, Rückenschmerzen, Panikattacken und Entzündungsreaktionen führen. Kombiniert mit schlechten Bewältigungsstrategien wie Substanzmissbrauch jeglicher Art oder selbstzerstörerischem Verhalten z.B. Magersucht oder Adipositas kann es zu einem kompletten Kollaps des Körpers kommen in Form von Burnout, Depression, Erschöpfungszuständen etc. Daraufhin thematisierten wir positive Bewältigungsstrategien, um mit Stressoren umzugehen. Ein gutes Beispiel ist das Positivtagebuch, in dem positive Erlebnisse notiert werden und die körperlichen Reaktionen darauf, um diese jederzeit auch neu abrufen/erinnern zu können und im Gedächtnis fest zu verankern. Dieses Tagebuch lässt sich leicht auch im Schulalltag für einzelne Schüler/innen einsetzen.

Der letzte Tag wurde abgerundet durch das Thema Dankbarkeit. Als Aufgabe des Vortages sollten wir kleine Erlebnisse notieren, die positive und negative Gefühle in uns hervorrufen z.B. Düfte, Kommentare, Blicke, Licht und Schatten etc. Es wurde deutlich wie wichtig es ist, sich darüber klar zu werden, wofür man dankbar ist und dieses auch mitzuteilen, um anderer ein gutes Gefühl zu geben und sich selbst auch gut zu fühlen. Der Körper schüttet dann vermehrt Serotonin aus, welches das positive Empfinden noch verstärkt. Das Gefühl der Dankbarkeit kann man gut innerhalb einer Meditation verstärken. Das hervorgerufene Gefühl und auch die Erinnerung daran kann in Zeiten von Stress und Traurigkeit dabei helfen, wieder in Balance zu kommen.

 

3. Welchen Nutzen kann ich daraus für mich persönlich ziehen?

Wir können festhalten, dass die Kursinhalte nicht nur für die Schule, sondern auch für uns persönlich von besonderem Nutzen sind. Die oben beschriebenen Effekte sind hilfreich, insbesondere in unserem anstrengenden Beruf, bei dem man vielen Stressoren gleichzeitig ausgesetzt ist, um ausgeglichener agieren zu können und den Schüler/innen mit ihren Besonderheiten auch in stressigen Situationen angemessen zu begegnen. Das Positive ist, dass man die eigene Wahrnehmung schult, stressresistenter wird und klar zu seinen eigenen Gefühlen steht.
Tatsächlich ist es wichtig, die Methode regelmäßig zu praktizieren, um sie auch anderen Menschen vermitteln zu können. Dies kann sehr positive Effekte auf unsere eigene Persönlichkeit haben. Sehr überzeugend waren die medizinischen Erklärungen, die die körperlichen Reaktionen beschreiben und die wissenschaftlichen Nachweise der Effektivität von Meditation und Achtsamkeit. Der Kurs war keineswegs esoterisch oder religiös ausgerichtet, sondern basierte auf fundierte Erkenntnisse der Medizin.


4. Welche Inhalte kann ich mir vorstellen, in meinen Unterricht oder in das Schulleben einfließen zu lassen?

Insgesamt erscheint das regelmäßige Praktizieren der Methode einen so weitreichenden Effekt auf das eigene Handeln und wertfreie Denken zu haben, dass es an sich schon die Haltung zum Schüler/zur Schülerin im Positiven verändern kann.
Einige Übungen nach Eilene Snel wie zum Beispiel die Frosch-Übung (Frog-Exercise) können wir uns vorstellen, im Unterricht der Unterstufe anzuwenden. Auch der Spaghetti-Test ist eine gute Entspannungs-Möglichkeit für Schüler/innen, die ohne großen Zeitaufwand im Unterricht durchführbar ist (zum Beispiel vor Klassenarbeiten). Auch das Positivtagebuch und das Abfragen der körperlichen Reaktionen auf positive/negative Gefühle ist eine gute Methode, die für einzelne Schüler/innen eine gute Möglichkeit ist, mit Frustration umzugehen oder positive Gefühle bewusst zu machen und zu verstärken.


5. Wie ist der fachliche Anspruch des Kurses zu beurteilen?

Eine Achtsamkeitstraining ist in der Regel auf acht Wochen ausgelegt. Unser Kurs wurde intensiv auf 5 Tage gekürzt. Das bedeutet, dass es wichtig ist, die Inhalte weiterhin zu vertiefen und die Meditationen möglichst fortzusetzen. Hierzu gab uns Maggy viele hilfreiche Tipps und Apps, um dies in der Zukunft selbstständig zu praktizieren. Das Buch von Eilene Snel eignet sich für Kinder und kann in der Schule eingesetzt werden. Es ist zu betonen, dass Maggy eine ausgesprochen gute, einfühlsame und kompetente Lehrerin ist, die sehr gut erklären konnte und viele Beispiele aus ihrem eigenen Leben einfließen ließ. Somit war sie sehr authentisch und konnte uns die Methode sehr überzeugend vermitteln. Insbesondere die wissenschaftlichen und medizinischen Erklärungen zu den körperlichen Reaktionen auf Stress oder Freude waren sehr einleuchtend und sinngebend. Wir können jedem Kollegen diesen Kurs weiter empfehlen.


6. Sollten Erasmus+ Fortbildungen auch weiterhin international angeboten werden?

Ja, auf jeden Fall. Neben den fachlichen Inhalten und Vermittlung der Methode ist es sehr erfrischend und inspirierend, sich auch sprachlich und kulturell fortzubilden. Eine gute Mischung, die eindrucksvoll und nachhaltig positiv beeinflusst. Insgesamt war diese Fortbildung für uns ein sehr angenehmes und intensives Erlebnis. Es ist ein großes Geschenk, Maggy als großartige Lehrerin und strahlende Persönlichkeit kennen gelernt zu haben.

 

 

Weiterführende Links:

Die AFS im Bildungsprogram Erasmus+

Anna weltweit unterwegs

 

Bildcredits: VBE  / AFS

Erfahrungsbericht: VBE / HELL

Red.: KAP

 

 

 

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