Inklusion

 

Inklusionsbegriff der LVR-Anna-Freud-Schule:
Die prozessorientierte Inklusion

Derzeitig wird Inklusion von Schülern mit Förderschwerpunkten unterschiedlich definiert und interpretiert:
Zumeist hat sich die Vorstellung durchgesetzt, dass Inklusion an sich schon durch die uneingeschränkte Aufnahme von Schülern mit Förderschwerpunkten an allgemeinen Schulen stattfindet, verbunden mit der Annahme, dass die notwendigen individuellen sonderpädagogischen Fördermaßnahmen realisiert werden.
Nach neuerer Forschung (Hiller, Weinheim 2010, Ahrbeck, Berlin 2012) und nach vielen Fallanalysen, die die LVR-Anna-Freud-Schule durchgeführt hat, ist diese Vorstellung von Inklusion häufig nicht realisierbar.

Selbst bei Beachtung und Durchführung sonderpädagogischer Förderung an allgemeinen Schulen bleibt unserer Erfahrung nach ein Entwicklungsphänomen unberücksichtigt:
Im Alter von 11 bis 17 Jahren verlaufen unterschiedliche Phasen der adoleszenten Identitätsentwicklung. Zur eigenen erfolgreichen Identitätsentwicklung, die Voraussetzung für Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen ist, vergleichen sich die Jugendlichen in dieser Zeit mehr als sonst, interpretieren ausführlich soziale Reaktionen anderer Mitschüler und versuchen diese Erfahrungen in ihr Selbstbild zu integrieren.
Ist die Behinderung in der Klasse 5 der weiterführenden Schulen für Mitschüler noch interessant, werden häufig in den Klassen 6 und 7 z.B. Spastiker und Rollifahrer nicht zu Partys, Treffen in der Stadt etc. eingeladen, mitgenommen, im Sportunterricht nicht integriert usw.. Gerade in dieser Zeit der beginnenden Pubertät bemerken Schüler ihre Andersartigkeit, die auch noch in der absoluten Minderheit ist. Hier entwickeln sich bei einem Teil der Schüler mit Behinderung oder Störungsbild besonders ausgeprägte Identitätsfindungsprobleme, die nicht mehr adäquat kompensiert werden können.
Ein leises, stilles (damit meist unbemerkte) Leiden beginnt, psychosomatische Komorbiditäten entwickeln sich.
Auch ein Peer Group Angebot (Treffen mit behinderten Schülern aus anderen Klassen) bleibt dabei völlig unzureichend und wirkungslos.

Eine Pädagogik der Vielfalt, eine Pluralität der schulischen Angebote und Konzepte wird nicht als Möglichkeit gesehen der Heterogenität der Schüler Rechnung zu tragen, sondern als Möglichkeit zur Diskriminierung.
Für viele Schüler mit Förderschwerpunkt funktioniert die inklusive Beschulung an einer allgemeinen Schule, für viele Schüler aber nachweisbar eben doch nicht.

Für diese Schülerklientel gelingt Inklusion unserer Erfahrung nach nur durch einen strukturierten, jahrelangen Prozess: Die prozessorientierte Inklusion an der LVR-Anna-Freud-Schule:

In der gymnasialen Oberstufe und in der Sek I durch ein vielfältiges außerunterrichtliches Angebot der LVR-Anna-Freud-Schule bleiben behinderte Schüler in der Mehrzahl, nichtbehinderte Schüler werden integriert, sozusagen eine umgekehrte Inklusion/Integration:
Behinderte Schüler erleben hier ihre Behinderung nicht mehr als belastende Besonderheit in der Minderheit. Hier steht ihre Persönlichkeit, und nicht ihre Behinderung im Vordergrund, ohne diese zu negieren, sie lernen von anderen Schülern, unterstützt von Lehrern, wie sie mit Behinderung umgehen, sie integrieren.
Somit praktiziert die LVR-Anna-Freud-Schule eine prozessorientierte Inklusion, die davon ausgeht, dass durch die kontinuierliche Stärkung der Persönlichkeit verbunden mit jahrelanger, systematischer, pädagogisch unterstützter Wahrnehmung, Verarbeitung und Integration der Behinderung eine realistische Inklusion in der außerschulischen Lebens- und späteren Arbeitswelt gelingt.

Zu dieser Stärkung gehören:

  • Systematische Behinderungsverarbeitung in allen Jahrgangsstufen
  • Kontinuierliches Wahrnehmungstraining, individualisierte wahrnehmungsoptimierte Arbeitsblätter und Medien
  • Ständige individuelle Anpassung der Nachteilsausgleiche
  • Training des offensiven Kommunizierens über die eigene Behinderung oder Andersartigkeit, die in den außerschulischen Bereichen und der Arbeitswelt notwendig und zielführend ist.
  • Information für die nicht behinderten Schüler über die Einschränkungen ihrer behinderten Mitschüler, Auswirkung im Alltag und Unterricht durch Mitarbeiter der therapeutischen Abteilung und der Pflege

Ziel ist es somit, dass Schüler durch prozessorientiertes Inklusionstraining in die Lage versetzt werden, als Subjekt, als gestaltende Menschen gesellschaftliche Teilhabe im Sinne einer Teilgabe zu realisieren.

Die prozessorientierte Inklusion geht davon aus, dass Inklusion durch die bloße Integration an allgemeinen Schulen oft nicht ausreicht, häufig ein Druck des Negierens der Andersartigkeit entsteht und eine wirkliche Inklusion in allen außer- und nachschulischen Lebensbereichen Maßstab sein sollte. Um diese realistische Inklusion erfolgreich leben zu können, muss in vielen Fällen Andersartigkeit Raum haben, normal sein, um sich systematisch zu stärken.

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Förderschwerpunkt
körperliche und motorische
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