Starke_Schule_LogoAn dieser Stelle finden Sie die Laudatio auf die Preisträger des Sonderpreises "Stark durch Vielfalt" - die LVR-Anna-Freud-Schule aus Köln sowie die Mittelschule Thalmässing. Frau Dr. Antje Becker trat als Geschäftsführung der Hertie Stiftung und Leitung "Starke Schule" mit folgender Rede vor das Publikum:

Es gilt das gesprochene Wort:

"Das Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention in 2009 verpflichtet die Vertragsstaaten dazu, dass Menschen mit Behinderungen ein gleichberechtigter Zugang zu einem integrativen, hochwertigen und kostenfreien Unterricht mit angemessenen Vorkehrungen für ihre individuellen Bedürfnisse möglich ist."

Soweit die Theorie, aber wozu führt eine solche, nennen wir sie mal sachliche Verwaltungsvorschrift in einem Land wie Deutschland, welches über ein hoch differenziertes Förderschulsystem verfügt? Studien und auch internationale Erfahrungen zeigen uns, dass die gemeinsame Beschulung aller Kinder und Jugendlicher insgesamt zu deutlich besseren Ergebnissen führt. Aber ist Inklusion tatsächlich ideal für alle oder ist sie doch eher eine Wunschvorstellung? Was bedeutet das alles für die Umsetzung im Schulalltag? Wie bereiten sich eigentlich Lehrer auf diese neuen Herausforderungen vor? Was machen sie mit Eltern, die massiv ihre neuen Rechte einfordern? Muss es eigentlich eine einzige Form der inklusiven Beschulung geben, die dann für alle geeignet ist? Oder ist Inklusion am Ende doch ein Sparmodell?

Dr._Antje_Becker hält ihre Laudatio zu Ehren der Sonderpreisträger

Mit einem Sonderpreis zeichnet der Wettbewerb "Starke Schule" außergewöhnliche Schulen zu einem gesellschaftlich relevanten und für die Schulentwicklung aktuellen Thema aus.

In diesem Jahr – Sie ahnen es bereits - möchten die Partner unter dem Titel "Stark durch Vielfalt" Konzepte und Profile hervorheben, die dem vorgenannten Thema "Inklusion" Rechnung tragen.

Inklusion steht bei "Starke Schule" für den Gedanken einer "Schule für alle", in der jedes Kind das Recht hat, gemäß seiner individuellen Bedürfnisse gefördert zu werden. Der Gedanke dabei ist, dass kein Kind aufgrund von Beeinträchtigungen und Behinderungen - genauso aber auch Hochbegabung -, ebenso wie ethnischer, kultureller oder sozialer Herkunft ausgesondert, das heißt exkludiert werden soll.

Es gibt bereits heute Schulen, die diese Herausforderungen sehr gut meistern - und das zum Teil schon viel länger als die Konvention es fordert - und als positive Beispiele für den Inklusionsgedanken dienen können. Ganz im Sinne des Wettbewerbs "Starke Schule", der best practice erkennen und verbreiten möchte, freue ich mich, Ihnen heute die Entscheidung der Jury zum Sonderpreis "Stark durch Vielfalt" bekannt geben zu können.

Gewinner des Inklusions-SonderpreisesMeine Damen und Herren, erstmalig wird der Sonderpreis an zwei Schulen vergeben. Ihre Antworten auf das Thema Inklusion könnten unterschiedlicher nicht sein. Und weil beide Antworten so gut sind, dass sie unbedingt Schule machen sollten, freuen wir uns schon heute darauf, diese Schulen im Netzwerk von Starke Schule begrüßen zu können und darauf, dass unzählige andere Schulen dadurch verstehen werden, dass es nicht den einen Königsweg zur inklusiven Schule geben muss.

Ich persönlich würde mich freuen, wenn sie alle mindestens einmal die Gelegenheit nutzen würden, diese Schulen zu besuchen. Ich bin sicher, am Ende des Besuchs wären sie genauso glücklich und vor allem zuversichtlich wie meine Kollegen und Kolleginnen aus der Bundesjury und ich dies waren.

Der erste Weg zur Inklusion wird von einer Förderschule beschritten, die ihre Schüler gemeinsamen mit den Schülern der Realschule unterrichtet. Hier werden also Regelschüler inkludiert. Die Schülerinnen und Schüler wachsen dort zu starken Persönlichkeiten heran und werden auf das tägliche Leben und den Übergang in Ausbildung gezielt vorbereitet.

Das Trainieren des offensiven Umgangs mit der eigenen Behinderung, die praxisnahe Vorbereitung auf eine aktive Teilhabe am öffentlichen sowie beruflichen Leben und der Abbau von Berührungsängsten durch Gemeinschaftsprojekte stärken das Selbstbewusstsein aller. Durch dieses Modell alternativer Inklusion erleben sich Schüler mit Behinderung als Teil der Gesellschaft. Besonders beeindruckt hat mich, dass die nicht behinderten Schüler sich als diejenigen sehen, die am meisten profitieren...

Gruppenbild_Sonderpreis__Stark_d_d5e40a9917Einen anderen erfolgreichen Weg hin zur Inklusion beschreibt eine Regelschule, die bereits seit neun Jahren Kinder mit Förderbedarf im Klassenverband gemeinsam mit Regelschülern unterrichtet. Als eine „Schule für alle Schüler" ist das Inklusionsgedanke fest im pädagogischen Selbstverständnis verankert. Inklusion wird von allen Beteiligten gelebt - von den Schülerinnen und Schülern, der Schulleitung, den Lehrkräften, den Sonder- und Diplompädagogen und auch von den Eltern.

Mit einer konsequenten Differenzierung stärkt das schulinterne Curriculum das Zusammenleben und Zusammenlernen. Die Schule fördert das Selbstwertgefühl und die Stärken durch eigenaktives Lernen und engagiert sich, auch über die Schulzeit hinaus, für eine gelingende Lebensplanung.

Meine Damen und Herren, der Sonderpreis "Stark durch Vielfalt" im Wettbewerb "Starke Schule. Deutschlands beste Schulen, die zur Ausbildungsreife führen" 2012 / 2013 geht an die

LVR-Anna-Freud-Schule aus Köln sowie an die Mittelschule Thalmässing.

Herzlichen Glückwunsch zu diesem Erfolg!

 

Text und Bild-Quelle: Starke Schule

Die Laudatio zum Download (PDF, 222 KB)

Freunde, Förderer, Partner und Sponsoren der Anna Freud Schule

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